Expedition Canning Stock Route

Well 51: Unser erstes Bushcamp auf der Canning


Canning Stock Route, eine Herausforderung die einen körperlich und mental an die Grenzen bringt. Hitze, enge ausgefahrene Sandpisten, abgeschnitten von jeglicher Zivilisation, schnelle medizinische Hilfe und Rettung Fehlanzeige.

 

Wenn man die knapp 1600km durch die Halbwüste im Westen Australiens mit seinen etwa 1000 Dünen antritt, muss man mindestens bis Well 23 durchstehen bis man über den Talawana Track aussteigen kann.

 

Aber was ist die Canning Stock Route überhaupt? Nicht einmal der Großteil der Einheimischen kennt sie. Also: Die Canning ist eine Outbackpiste, welche zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Alfred Canning angelegt wurde, um von der im Norden gelegenen Kimberley Region Vieh entlang von 51 Brunnen in den Süden, in die Region um Perth zu treiben. Die idealen Orte um die Brunnen zu bohren wurden unter unmenschlichen Bedingungen von den dort einheimischen Aborigines durch Sklaverei und Verdursten erzwungen preiszugeben. Sie wurde bis 1958 aktiv genutzt um tausende von Rindern in den Süden zu treiben.

Unsere Tour startete zunächst in Alice Springs, wo sich alle 11 Motorradfahrer und weitere 11 Fahrer und Beifahrer der sechs Support Fahrzeuge trafen. Von dort aus ging es etwa 879km mitunter über die Tanami Road nach Bililuna, unseren Einstig in die Wüste. Bevor die 1611km positiver Einöde angetreten wurden, haben wir noch alle Vorräte, Benzin, Diesel und Wasser bis unters Dach der Landcruiser aufgefüllt.

 

 

Jetzt gibt es kein zurück mehr, die ersten kleinen Dünen setzen ein. Zum Pech von Armin, der sich bei einem unsanften Sturz das Schlüsselbein brach und sich somit einen Platz im Begleitfahrzeug gebucht hat. Durch die Größe der Gruppe, GPS Karten die alle etwas anderes anzeigen und die Tücken der Wüste, wie zum Beispiel Orientierungsverlust, musste die Gruppe immer und zu jedem Zeitpunkt zusammenbleiben. Das heißt, bei Tagesetappen zwischen 100-150km mussten wir alle 10-30km auf die langsameren Begleitfahrzeuge warten. Dies war meiner Meinung nach das Kräftezehrendste überhaupt. Kaum in Fahrt mussten wir bei 44°C ohne Schatten, kein kleinstes Lüftchen und in voller Montur bis zu zwei Stunden auf den Rest des Konvois warten. So ein Geländewagen fährt doch hin und wieder einen Platten oder es muss ein liegengebliebener Endurist aufgelesen werden.

 

Warten auf die Begleitfahrzeuge ohne jegliches Lüftchen


Der Tagesablauf wiederholte sich jeden Tag etwas routinierter. Bei Sonnenaufgang aufstehen, Zelt abbauen, „ausgewogen“ Nutellatoast, Krümelkaffee oder Müsli mit Pulvermilch frühstücken. Man muss hier und da Abstriche machen, das ist in dieser lebensfeindlichen Umgebung nun mal so. Ebenso beim Waschen, wenn man das denn so nennen kann. Jetzt das Camp mit einer Präzision eines Tetris Weltmeisters in den Autos verstauen, Briefing und ab auf die Piste. Abends dann Mopeds durchchecken, alles in umgedrehter Reihenfolge wieder aufbauen und sobald es dunkel wird und die nervigen Fliegen verschwunden sind, gab es deftiges aus der Buschküche. Damit wurden die leeren Batterien wieder unter mastähnlichen Bedingungen aufgeladen.

 

Der Tagesablauf in Kurzfassung


Mich sehnte es schon so lange danach eine Wüste zu bereisen, die Abgeschiedenheit, Kargheit, Dünen, Hitze. Alles in allem ein Ort, an den man seine Komfortzone hinter sich lassen muss, seine Grenzen findet und lernt diese zu überschreiten. Es geht viel mehr als man sich zuhause in der gewohnten Umgebung zutrauen würde. Weiter kämpfen zu können unter Hitzschlag, Dehydrierung, Schei***erei und körperliche sowie mentaler Erschöpfung beweisen dies. Man lernt sich über Kleinigkeiten zu freuen. Das motivierendste war der abendliche Eimer Wasser aus den noch aktiven Brunnen, den man sich von den anderen ausgetrockneten Abenteurern über den Kopf schütten lässt. Es ist unbeschreiblich wie das Wasser glitzern und schimmern kann, wenn man sehnlich den gefüllten Kübel mit der Kurbel an die Oberfläche windet. So erreichten wir Tag für Tag einen neuen Brunnen, auch wenn nicht aktiv, waren diese Stellen immer gute Plätze um das Camp aufzuschlagen.

 

Das Camp, Abkühlung, Wüste und ihre Bewohner


Die Wüste fordert aber auch ihre Opfer. Fred wurde es nach einen starken aber glimpflichen Sturz bewusst, dass seine Grenze erreicht war und bekam das beklemmende Gefühl nicht los, hier raus zu müssen. Dazu kam noch, dass am 4x4 Iveco Truck die Untersetzung des Mittelgetriebes den Geist aufgegeben hatte. Somit konnte er keine Dünen mehr fahren und schied ebenso aus. Sehr traurig war, dass Jordi, die alte Hundedame von Noel aus Angst vor den gruseligen Geräuschen des Windrades von Well 33 davongelaufen ist. Sie war nicht mehr auffindbar, tragisch. Durch all diese Vorfälle entschieden sich Noel, Rob und John vom Iveco, sowie Fred und seine Frau Heidi bei dem Aborigine Dorf Parrngurr über den Talawana Track den Weg zurück in die Zivilisation anzutreten.

 

Durch die Verkleinerung der Gruppe kamen wir nur etwas schneller voran und traten die zweite Hälfte der Canning an. Die Landschaft veränderte sich zusehend. Weniger Dünen und eine zunehmende Pracht an großen und kleinen schimmernd spiegelnden Salzseen folgten. Der Lake Disappointment trägt hier als größter See seinen Namen zurecht. Die Spiegelungen lassen tatsächlich einen wassergefüllten und lebensspendenden See vermuten. Bei Änderung des Blickwinkels, siehe da, man wird im wahrsten Sinne des Wortes enttäuscht.

 

Die zerstörte Unersetzung, die Salzseen, Dorfladen in Parrngurr und Jordi


Die letzten Kilometer bis ans Ende der Wüstendurchquerung genieße ich besonders, da meine Wahrnehmung für diesen außergewöhnlichen Ort die Zeit stehen lässt. Dabei versuche ich alles aufzusaugen was ich nur kann, um diese Lebenserfahrung intensiv wirken zu lassen. Ein unbeschreibliches Gefühl von Zufriedenheit, Stolz, Freude und Kraft macht sich in mir breit, als ich am Schild stehe, welches die Abenteurer begrüßt die sich den Strapazen gestellt und gemeistert haben. Ich reise meine Arme in die Höhe und genieße mein eiskaltes Siegerbier!

 

Das Ende des Abenteuers Canning Stock Route